Karl May - Abenteuer und Sinnlichkeit
Ein Indianer - Mut durch Sinnlichkeit
Der Wald ist groß. Hohe Kiefern, Unterholz, darin liegen gelegentliche versteckte Tümpel im sandigen märkischen Bodens besonders jetzt, nach einer Woche Regen. Gräser und Stauden, Flechten an den Ästen, noch immer Tropfen, die von den Bäumen fallen wenn ein Windstoss durch den Wald atmet. In der späten Morgendzeit gewinnt die Sonne noch an Kraft, auf den Lichtungen werden die Gräser trocken, unter den Bäumen steht meist noch feuchte Luft. Pilze duften intensiv und verführerisch, der unverwechselbare Duft der feuchten Erde, des märkischen Sandes ist so intensiv wie der würzige Geschmack eines backfrischen Brotes. Und später am Tag wird diese Luft überlagert, ersetzt werden durch den Duft des Kiefernharzes und des trocknenden Staubes, Die Sonne übernimmt nicht nur das Licht und Schattenspiel, sie verführt uns auch durch Düfte.
Der Wald ist groß, es gibt einige Wege, verschlungene Trampelpfade, der Hermsdorfer Forst hat über 12 Quadratkilometer, sehr viel Weite für den 9 jährigen Knaben. Der Tag zuvor war für mich böse gewesen. Neugierig streifte ich durch die baufällige Kriegsruine einer großen Villa und hatte mich von einem Schutzmann erwischen lassen, nur weil ich der Umwelt gegenüber unaufmerksam auf dem bröckelnden Fenstergesimse saß und fasziniert in einem Karl May Band las, den ich in einer Zimmerecke in einen feuchten Karton zusammen mit weiteren Bänden meines Lieblingsautoren gefunden hatte, einen wahren Schatz! Der Schutzmann hatte mich bemerkt, er kannte mich, so wie er alle Leute am Orte kannte, die etwas länger zu Besuch weilten. Und meinen Opa Jens und die Oma Anke kannte er natürlich schon seit vielen Jahren.
Früher musste er noch mehr kontrollieren, welches Radio die Leute hörten, was sie sagten und was sie dachten. Jetzt musste er mich nur erkennen und rufen, es gab kein Entweichen, ich war verraten. Er hielt mir eine Standpauke, predigte seine Werte von Disziplin und Ordnung, wie sich ein deutscher Junge zu benehmen hätte, bedrängte mich zu bereuen, ihm Anerkennung zu zollen.
Die Uniform verwandelte seine fette Gestalt in prall gefüllte Macht. Und in mir wurde alles starrer und härter, unbeugsamer, je länger er mich mit feuchter Aussprache aus nächster Nähe zu bekehren versuchte. Wut stieg in mir hoch, ihm gegenüber, den Erwachsenen, die nicht verstehen, und dann Wut gegen mich, dass ich so unachtsam gewesen war mich erwischen zu lassen, mich so hinzusetzten, dass meine Entdeckung fast zwangsläufig wurde. Meine Helden, Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi Effendi, hätten sich niemals in fremder Umgebung so blödsinnig verhalten.
So musste ich denn die Strafe annehmen, von dem Schutzmann zu meinem Großvater geführt zu werden, der sehr ernst, aber Gott sei Dank mit einem leichten Lächeln im Mundwinkel die Denunziation des Schupos entgegennahm, dessen Ermahnungen meine Erziehung nicht zu vernachlässigen, auch wenn ich nur auf Besuch sei, ernsthaft nickend bedachte, mich sodann über das Knie legte und mit einigen klatschenden Schlägen auf meinen mit Lederhosen bewehrten Hintern die Angelegenheit zur Zufriedenheit der Staatsgewalt beilegte. Abends im Bett schämte ich mich dafür, dass ich so unachtsam gewesen war, und sann darüber nach wie ich diese Schuld mir selbst gegenüber wieder ausgleichen könnte. Mit einer ungenauen Idee, schlief ich ein, wissend dass ich mir am heutigen Tag meine Freiheit erneut erarbeiten wollte und dieses soll im Wald geschehen, in der Natur, der Umgebung in die ich mich gerne flüchte oder begebe wenn mich etwas bedrängt, etwas kränkt, ich Kraft brauche und suche.
Beim Frühstück erzählt die Oma, dass sie eine Freundin besuchen wolle, sie wird einige Brote fertig machen, damit der Opa und ich zu Mittag etwas zu essen haben; Opa schläft meist über Mittag, ich habe den ganzen Tag für mich! Ich begleite die Oma noch zur S-Bahn, auf dem Rückweg komme ich an der Ruine vorbei, kein Feind in Sicht und der Bücherkarton steckt unter meinem Arm. Mit der Beute laufe ich zum Forst, der direkt vor dem Gartentor der Großeltern beginnt.
Es ist Sonntagvormittag. Erste Spaziergänger und Wanderer aus der großen Stadt kommen in den Wald, einige ernsthaft mit Knickerbockern und naturverbundenem Gehabe, andere im Anzug, Hut auf dem Kopf und Taschentuch im Revers mit folgsamen Kindern und Frau im Sonntagsstaat.
Einige Minuten vom Haus entfernt liegt eine kleine Fichtenschonung, in ihr steht einer flachen Senke noch Wasser als Tümpel, Rehe haben die frischen Schösslinge verbissen eine Lichtung ist entstanden, mein Platz, von dem keiner weiß. Hier lasse ich meine Lederhose, mein Hemd, meine Unterhose und die Socken, nur die abgetretenen weiß-blauen flachen Turnschuhe behalte ich an. Ein Bad im Tümpel, dessen flaches Wasser schon die Wärme des sommerlichen Morgens angenommen hat, Schlamm aufwirbeln, Algenbelag von einem Baumstumpf schaben und schon ist all die Tarnfarbe vorhanden die der Indianer auf dem Erkundungsgang im feindlichen Revier braucht. Ich rutsche aus, und eine breite Schürfwunde am rechten Unterarm brennt, fängt an zu bluten, toll, das Blut schmiere ich mir ins Gesicht, auf die Brust, Beine und Po werden erddunkel, der Unterleib algengrün mit roten Blutstreifen, die Haare werden mit Kletten, Gras und Moos angereichert bis kein Stück Haut mehr an den Knaben darunter erinnert. Ich habe meinen Auftrag bestimmt: einmal quer durch den Forst bis zum Ortsrand von Heiligensee zu pirschen, mich möglichst von keinem Menschen sehen und erst recht nicht erwischen lassen! Und nackend wie ich bin, wäre die Strafe doch sehr empfindlich wenn ich mich erwischen, erkennen oder gar fangen ließe, doch das ist nun mal der Preis und das Risiko um die Schuld von gestern zu begleichen. All diese mächtigen Anzüge und Uniformen sollen mich nicht erwischen können!
Zunächst erinnere ich mich daran was ich an Indianer Weisheiten gelesen hatte: wenn Du ganz still stehst, noch nicht einmal mit den Augen zwinkerst und auch innerlich gaaanz ruhig bist, dann wird Dich kein Mensch sehen, sofern er nicht über Dich stolpert. Kein Zweig darf knacken wenn Du durch das Unterholz schleichst. Achte auf die Windrichtung!
Die Sonne wird stärker, sie wärmt mich, trocknet meine Tarnung, die vertraute Lichtung ist ein heilsamer Platz, auf dem ich schon an vielen Tagen die Sonne durch die Haut in die Tiefe hab gleiten lassen, Käfer über mein Hand wandern, mich vom warmen Sommerregen abduschen lassen, nackt im Schlamm gelegen habe. Aber nun muss ich ihn verlassen, ein weiter Weg erwartet mich. Ich muss noch pinkeln und schreibe meine Anfangsbuchstaben in den märkischen Sand
Aufbruch. Die Schonung ist noch mein Revier, einem kaum sichtbaren Pfad nach Nordwesten folge ich, er dient sicherlich auch anderen Tieren und nicht nur mir. Ein Rascheln im Unterholz, ich erstarre, eine Elster scharrt Laub beiseite, sucht, findet, ich sehe nicht was und fliegt davon. Mein Herz klopft schneller, diese alltägliche Begegnung ist sofort etwas Besonderes da ich im Geheimen unterwegs bin, meine Nacktheit ist mir noch eine Schwäche und ein Vergehen das ich nicht offenbaren darf. Die Schonung endet, der Kiefern Hochwald liegt offen vor mir, der Wanderweg folgt dem sandigen Hügel. Als ich ihn kreuze sind frische Spuren erkennbar, die Kanten der Schuhabdrücke noch randscharf, irgendwo hat mal Sam Hawkins kichernd auf die Wichtigkeit solcher Kleinigkeiten hingewiesen. Ein Schäferhund kommt über eine Hügelkuppe, beschnüffelt mich auf Schnauzenhöhe, dann meine Hand, ein Ruf aus der Entfernung und das Tier läuft wieder zurück. Hinweg vom Weg, Farne decken mich, auf allen Vieren bewege ich mich weiter, die Farne kitzeln seitwärts meine Flanken, Gräser streifen die Tarnfarben von Bauch und Unterleib, streicheln mich, Tautropfen spenden Frische auf die Haut .
Eine kleine Gruppe Wanderer mit Hunden zieht in 20 Metern Entfernung vorbei, der Wind kommt von Ihnen zu mir, sie reden zu laut, sind nur mit sich und dem Herumkommandieren ihrer Tiere beschäftigt, erkennen nicht die Natur in der sie sich bewegen, sind in meiner Welt feindliche Fremdlinge. Still hinter einer Kiefer kniend, das Gesicht seitlich fest an den Stamm gepresst, verfließen meine Haare, die Kletten, das Blut und der Schlamm in meinem Gesicht mit dem Baum, der Umgebung. Eine Frau schaut in meine Richtung, kann mich aber nicht sehen, ich bin unsichtbar!
Waldameisen klettern an meinen Oberschenkeln nach oben, sie wohnen im Wald, so wie ich heute auch, Nachbarn zu Gast. Und dennoch, Ameisen die sich zwischen meinen gespreizten Oberschenkeln auf den Weg nach oben machen stellen meine Gastfreundschaft - Indianer Nachbar hin oder her - auf eine Probe die schwer zu bestehen ist. Dann sind die feindlichen Eindringlinge außer Sichtweite,
vorsichtig sichernd stehe ich auf, verlasse die Ameisenstraße und streife mit einem Farnzweig sorgfältig die Nachbarn von Beinen, Po und Bauch. Die Tarnung hat gelitten, aber die Erde ist noch feucht und so wird der erkennbar gewordene Knabe mit wenigen Griffen wieder ein Wesen des Waldes.
Geräusche, die sonst nur am Rande meine Aufmerksamkeit erregen, lassen mich nun angespannt innehalten: das Scharren eines Igels, ein fallender Ast, ein abspringendes Reh, ein Kaninchen, das im Unterholz Schutz sucht. Meisen, häufig Paare, die Nahrung suchen oder einfach herumfliegen ohne erkennbares Ziel, sie scheinen miteinander zu spielen, so wie ich es auch manchmal mit anderen Kindern gerne täte.
Hier in der Natur ist das Leben mit mir und für mich. Ich nehme Teil und lehne an dem hohen Stamm einer märkischen Kiefer, schubbere meine Rücken daran und vergesse einen Augenblick meine Aufgabe. Hochblickend sehe ich den blauen, wolkenlosen Himmel durch das Geäst. Abgestorbene, doch noch solide Aststumpen bilden die Trittleiter nach oben.
Hoch hinauf, weg vom Boden will ich sein. Um mich sichernd, möglichst im Schutz des Stammes zu der Richtung aus der Feinde auftauchen könnten, klettere ich, so geschwind es geht, bis in den Wipfel, hole mir Schrammen auf der Haut, Harzspuren an Händen, Beinen und Bauch. Oben wird der Baum schlank und elastisch. Drei Meter unter der Spitze setze ich mich breitbeinig auf zwei Äste, der dritte ist mir gerade gegenüber, umspanne den Stamm mit meinen Beinen, meinen Armen, meine Brust und den Unterleib fest an die hier oben fast seidig zarte Rinde geschmiegt, ich wiege den Gipfel und mich hin und her, hoch über dem Boden versteckt durch Zweige, Kiefernnadeln und meine Tarnung.
Ein langsamer Rhythmus, ein schwingendes Vor und Zurück, die Zweige streifen einen Nachbarbaum, und die Berührungen werden hörbar mit einem leisen knisternden Zischen, ein Konzert nur für mich.
Doch die Bewegung der Spitze wird auch aus der Entfernung von Feinden bemerkt. Eine barsche männliche Stimme, bemüht um väterliche sonntägliche Zuwendung, belehrt irgendwen darüber, dass man mit Aufmerksamkeit auch im Walde sehen kann, wie viel Wind oben sei und woher er komme, man müsse nur die Wipfel beobachten, Du, Walter, merke es Dir, in Russland hat mir so etwas sehr geholfen.
Ich erstarre wieder, der Wipfel schwingt noch nach, ich sage dem Baum: ich bin Teil von Dir, ich bin ichdu, gib mich nicht Preis! Und mit einem inneren Jubel sehe ich den Krieger mit seiner Familie weiterziehen, ich bin eins mit der Natur und für die Feinde unsichtbar. Ich verlasse den Baum mit Dank, und Achtung.
Ziemlich in der Mitte des Forstes steigen die sandigen märkischen Hügel an, dort gibt es ein Gebiet in dem kaum Bäume wachsen mit einer Düne. Diese zu besteigen, dort zu verweilen ohne wahrgenommen zu werden ist Teil der Aufgabe. Die Düne ist ein beliebtes Ausflugsziel von Paaren und Wanderern, die Verdauungsspaziergänger bleiben mehr am Rande des Forstes.
Am Rande der Dünenlichtung liege ich im Gras, im Westen geht ein Paar sich betastend zurück in den Wald. Es ist Mittag, die Sonne steht hoch, die gesamte Stadt ist mit der Verdauung beschäftigt.
In der Hitze rinnt mir inzwischen der Schweiß über den Rücken und vom Hals die Brust herunter, zeichnet helle Hautstreifen in meine Tarnung. Ich laufe schnell den Dünenhang hinauf, vor dem Kamm werfe ich mich auf in den Sand, wälze mich einmal herum und zur Schlammzeichnung kommen gelbe Sandstreifen die meine Körperkonturen noch weiter auflösen.
Ich blicke mich um, hebe den Kopf vorsichtig über den Dünenkamm. Auf der anderen Seite liegen ein Mann und seine Freundin nebeneinander in einer Mulde, geschützt vor fremden Blicken und verlieren sich ineinander. Irgendwie gehören sie in diese Landschaft, trotz ihrer zerknitterten umherliegenden oder verrutschten Sonntagskleidung. Das sind keine Feinde, sie gehören in diese Natur. Ohne nachzudenken stehe ich auf und wandere weiter auf dem Dünenkamm nach Westen, ein kindlicher Indianertroll, als ein schrilles Kreischen meine Ohren trifft. Ich lasse mich hinter den Dünenkamm fallen, die Frau hat weit aufgerissene Augen, beide Hände vor dem Mund, er schaut sich hektisch um, sucht nach Handlung, greift ihre Hand und zieht sie hinter sich den Hang hinunter, stolpernd kommt sie auf die Füße und mit schwer ächzenden und schnaubenden Geräuschen verschwinden sie im Wald. Ich muss erkennen, dass meine Gestalt, dass ich als Teil dieses Forstes, ihnen, die sich doch nur liebten, einen großen Schrecken eingejagt hatte.
Etwas Leid tut es mir schon, aber: da ist auch Freude über die Macht die meiner bloßen Gestalt innewohnt, ich bin stärker geworden.
In meinen kurzen Lederhosen wäre ich wieder der kleine Junge gewesen den sie hätten verjagen können.
Auf dem weiteren Weg bewege ich mich vorsichtiger, die Menschen werden am frühen Nachmittag zahlreicher. Wieder sind es Dickichte und Schonungen durch die ich pirsche, Hunger und Durst schleichen sich ein. Das Wasser in den Pfützen, das weiß ich, sollte ich nicht trinken. Die vereinzelten Buchen lassen schon Bucheckern fallen, die ich gerne schäle und esse.
Am Nachmittag werden die harzigen Düfte des Waldes intensiver, oder ist es nur der Hunger, der alle Gerüche verlockender und stärker werden lässt? Kurz vor Heiligensee gibt es eine Weide, einige Kühe darauf, eine Tränke mit klarem Wasser. Hinter der Tränke geschützt trinke ich mit den Kühen gemeinsam, es duftet und schmeckt nach Milch, die Tiere akzeptieren meinen Besuch als völlig normal.
Ein Holzverschlag mit etwas Stroh steht neben der Tränke, ich lege mich in das Stroh, so bin vom Weg aus nicht erkennbar und döse ein wenig ein.
Ein Kitzeln in der Nase weckt mich, meine Hand wischt einen wippenden Strohhalm beiseite, ein Mädchen in bestem Sonntagsstaat kitzelt mich, den wilden Indianer des Hermsdorfer Forstes!
Warum bist Du so nackt und schmutzig fragt sie mich, aber ein schnelle Antwort fällt mir nicht ein.
Dann sage ich, dass ich ein Indianer auf Kriegspfad bin. Und: erst wenn ich genügend Skalpe gesammelt habe um mir daraus einen Lendenschurz nähen zu können, dürfe ich wieder zu meinen Stamm. Das ist für sie in Ordnung.
Sie mustert mich neugierig, ihre Blicke machen mich verlegen, aber dem trotze ich, sie ist in meiner Welt zu Gast, nicht umgekehrt. Dein Pimmel steht ja hoch sagt sie, warum? Meine rechte Hand fasst hin, es stimmt, was sie sagt und das Gefühl ist gut aber die volle Antwort weiß ich auch nicht und außerdem muss ich mal, irgendwie peinlich aber hier gibt es nur die Flucht nach vorne.
Wie heißt Du, frage ich sie. Anna, sagt sie, ich stehe auf und ich beginne ihren Namen an die Bretterwand zu pinkeln. Lass mich auch mal, flüstert sie, schiebt meine Finger zur Seite, der Schriftzug verrutscht und die beiden letzten Buchstaben kommen unter ihrer Führung als steiler Hügel und einem entgleisten Kreis an die Wand.
Ihr Unterarm hat die Tarnung von meinem Bauch abgewischt, etwas Schlamm Blut und Algengrün klebt an ihrer Haut. Und dann kommt aus der Nähe ein dringender Ruf, Anna solle doch sofort kommen, oder... Sie schaut auf, nimmt ihre Hand von mir, zischt resignierend etwas Abfälliges vor sich hin.
Anna dreht sich um und geht, kommt noch einmal zurück, schaut mich an, neigt sich zu mir, ihre Nase schubbert an meiner und dann ist sie so schnell weg wie sie laufen kann, trägt unsere Begegnung als ein Geheimnis mit sich.
Zurück nach Hermsdorf nehme ich die offenen Wanderwege, inzwischen ist es Abendessenzeit. Mir begegnet ein ältliches griesgrämig blickendes Ehepaar das in Hermsdorf zwei Straßen weiter in der Frohenauer Straße wohnt und pedantisch seine Tage mit der Pflege einer Buchsbaumhecke verbringt.
Bei deren Anblick brülle ich auf, springe mit meinen lautesten Kriegesruf erst auf sie zu, und verschwinde dann mit einem wilden Quersprung und schrillem Aufschrei ins Unterholz. Ihre verblüfften Gesichter lassen mich kichern. Erkennen, oder gar erwischen können sie mich nicht.
Dicht vor Hermsdorf sitzt eine Frau alleine auf einer Bank und schaukelt ihr Baby in einem geflochtenen Kinderwagen. Sie hat den Kopf zurückgelegt, blickt in den Himmel und träumt. Ich verstecke mich nicht mehr, sondern gehe in Griffweite an ihr vorbei, sehe sie an als sehe ich durch sie hindurch, sie macht den Mund auf, kein Ton kommt heraus, schaut mir ungläubig nach, steht halb auf und lässt sich wieder auf die Bank fallen, dann ist sie Vergangenheit für mich.
Auf dem restlichen Weg zu meiner Lichtung in der Schonung genieße ich die laue Abendsonne, die Kraft und Freude in mir.




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