München, ein Wohnmobil und das Oktoberfest
München im Herbst 2010
Die Wies`n beherrscht die Stadt! Lederhosen umspannen oder umschlackern französische, italienische, amerikanische Hintern, Dirndl schnüren Taillen und heben Brüste, Bierflaschen in der Hand gehören dazu wie die Damenhandtasche im Theater.
Der aufrechte Gang hat zahlreiche Variation, vom ätherischen Schweben bis hin zum erdhaften Gehangel entlang der Hauswände, entschlossen der Schwerkraft trotzend. Mancher ergibt sich dann ihrer Übermacht, sich weise zur Erholung auf den Bahnsteig bettend.
Gütig ist Petrus mit uns! Die Sonne scheint, es ist warm tagsüber, im Englischen Garten wirbeln Pferdehufe Staub auf, Touristengruppen lassen sich von Führern die wundersamen nackerten Menschen zeigen, die diese unverhofft warmen Tage in der Sonne genießen, Enten gleiten im Tiefflug
über Sonnenanbeter und landen auf den Wiesen um zu äsen und zu ruhen. Ein ruhiger friedlicher Ort inmitten der Großstadt.
Der Stadtbummel. Die bekannten Attraktionen findet man auch ohne Führer, immer dort wo sich viele Menschen ballen, wo fernöstliche Gruppen mit Sonnenschirmen und den unvermeidlich großen Kameras sich in Siegespose vor Brunnen, Kirchen und Toren aufstellen.
Nebenbei finden sich auch weniger beachtete bunt bemalte historische Häuser sowie moderne Architektur.
Die Gestaltung der obersten Baubehörde setzt einen schwer zu unterbietenden Kontrapunkt…
Die Wies`n.
Vom Hauptbahnhof und vom Goetheplatz her strömen sie heran, zünftig fürs Gaudi gekleidet, halb geleerte Bierflaschen in der Hand, das Moaß kostet über 8€, da sollte der erste Durst schon mal gestillt sein.
Die dralle Bavaria überblickt in bronzener Pracht die Theresienwiese, zu ihren Füßen im Gras ruhen Paare, die sich die schiebenden Massen aus entspannter Entfernung anschauen.
In die Bavaria kann man hinein! Unter ihren Rock in ihrem Inneren aufsteigend, heiß ist es dort, je höher wir klettern umso mehr heizt uns die Dame ein, in ihrem Kopf fiebrig heiße Temperaturen, eine metallene Sauna.
Ihre Augen und Ohren gestatten den Ausblick, ausruhen sollte man auf dem glänzenden Sofa mit bronzenen Trotteln.
Unten im Gedränge geht es laut und fröhlich zu, sogar die Betrunkenen sind friedlich. Bier gibt es ausschließlich in den Zelten, nun ja, Zelte sind das eigentlich nicht mehr, eher hölzerne Modulhallen, in denen die Gäste sich drängen , auf Tischen und Bänken sitzen oder auch stehen und statt ihrer angestammten Muttersprache Deutsch lernend in das „Prosit auf die Gemütlichkeit“ heiser, feucht und lautstark einfallen.
In den Fußgängerzonen die üblichen Geschäfte, alles vom elegantesten, selbst die Bettler, hier häufig muselmanisch vermummte dicke Frauen in schwarz und im Pensionsalter, abgestellt von der Familie um zu betteln, haben gepflegte Hände und das Tuch ihrer Gewänder ist von feiner Qualität.
Aus Rumänien kommt ein Straßenmusikant, rasant spielt er mit seinen Schlegeln artistisch zigeunerhafte Melodien, die Belohnung fließt von den
Passanten, deren Freude an der Musik die Taschen öffnet. Wir kaufen von ihm eine CD.
Der Campingplatz in Thalkirchen, dicht am Zoo ist unser Standort ist voll belegt mit Wohnmobilen, und Zeltlagern von Billigreisenden in riesigen Bussen. Doch die Nächte sind überraschend ruhig, die morgendliche
Kaffezeremonie kann ausgeschlafen und in sinnig-sinnlicher Fröhlichkeit erfolgen.
Unser Campmobil haben wir von der Firma Lotter für 5 Wochen gemietet. : www.lobra-automobile.de
Mit Freude erfuhren wir einen engagierten Service zu moderaten Preisen,
bekommen ein Fahrzeug, das für uns Zuhause, Arbeitsplatz und Transportmittel sein wird.
Aus den Zelten krabbeln die meist jungen Wies`n-Besucher, einige suchen die Duschen auf, die meisten verzichten zugunsten der Aussicht auf die innere Reinigung, dem deutschen Reinheitsgebot folgend.
Zum Wochenende hin kommen vermehrt Italiener und Franzosen in Wohnmobilen, jeweils einen Stellplatz mit zwei Fahrzeugen belegend, dicht aneinander wie in mittelalterlichen Kleinstädten.
Rudi ist gerade in Nürnberg, er kommt mit der Bahn rüber nach München, von 11 bis 16:00 bummeln wir gemeinsam durch die Stadt, plaudern so als würden wir uns häufig sehen, über altes und neues, genießen den warmen Freitag, der – ein unverhofftes Geschenk!- doch noch sonnig ist, die nasskalte Regenfront erreicht München erst am Abend.
Matjes , Krabbensalat und Bier auf dem Viktualienmarkt als Brunch, ein Genuss den wir in Südafrika nicht auftreiben können. Aber Nahrungsmittel in Südafrika sind zahlreich und gut, wir hoffen Rudi dort als unseren Gast aufs Leckerste bewirten zu können.
Auch hier, auf dem Markttempel guten Essens beherrscht die Bierseligkeit den Tag!
Was gab es noch für uns in München? Verhandlungen mit Aquagiv, einer Firma mit drei Teilhabern, die Watermaker herstellen. Geräte, die aus bewährten industriellen Bestandteilen zusammengefügt werden, ausgelegt auf Verlässlichkeit bei geringem Strombedarf. Die Firma ist seit über drei Jahren am Markt und haben sowohl für Yachten als auch industriell große Anlagen hergestellt und montiert. Firmeninhaber, die selber anpacken und mit Engagement und Schaffensfreude ihre Firma gestalten.
Beim Saturn noch eine neue Kamera einkaufen Internetstick für Deutschland, das Roaming ist noch immer nicht erhältlich, Europa im Gartenzwerggewand, soweit es das Internet angeht.
Beim ADAC bekommen wir endlich den internationalen Bootsschein, dessen Zusendung auf dem Postweg trotz zweimaliger Versuche gescheitert war. Die Postangestellten in Südafrika hatten die Post zurückgeschickt, weil wegen der Fussball WM und danach wegen eines Streikes einfach zu viel zu tun war.
Die Erotikmesse auf dem Olympiagelände war ein Reinfall, ein wandernder Sexshop mit Showeinlagen, die Skulptur einer drallen Turnerin im Park ist weitaus sinnlicher.
Am Samstag verlassen wir München, die Bierkrüge müssen noch zurückgebracht werden, es regnet, es ist Zeit weiter zu reisen
