Mit Thor, Jan und allen Sinnen
Ein göttliches Gewitter
Ich bin mit Jan auf einem kleinen Segelboot in der Ostsee unterwegs. Sommer, Sonne, abflauender Wind, aus Süd-Süd-West, die Segel sind mal eben gefüllt, fast glattes Wasser. Südlich, gegen die Sonne kaum sichtbar, liegt in zwei Seemeilen Entfernung die Steilküste von Aebelö, einer kleinen, Fünen vorgelagerten Insel mit schmalem weißen Sandstrand vor dem lehmigen Steilufer. Am Morgen sind wir von Ahuse, am Nordufer des Vejle Fjords aufgebrochen, mit dem Ziel irgendwo im Odense Fjord, dessen romantische Vergangenheit lockt, für die Nacht vor Anker zu gehen. Von dort aus sind schon vor über tausend Jahren die Vikinger in ihren Langbooten aufgebrochen um hinunter bis nach Spanien zu segeln, zu handeln und zu rauben. Und dies war schon ein Fortschritt, jedenfalls gemessen an Odysseus und seinen Kumpanen, die nirgends etwas gaben aber allen etwas nahmen.
Die Nacht war warm gewesen. Im Licht des Vollmondes fühlte sich das ruhige, in Ufernähe relativ flache Wasser beim Schwimmen auf der Haut samtig an, und die Lichter an Land, der Schatten unseres Bootes vor Anker, der gelbe Schein der Petroleumlampe, die am Baum schaukelt, die kreisrunden Wellen in deren Zentrum wir schwammen ließen uns Teil eines lebendigen, intensiv friedlichen und sinnlichen Bildes sein. Wir klettern wieder an Bord, ein wenig umständlich, da eine Badeleiter fehlt, ein im Wasser hängender Fender muss als Ersatz herhalten. Wir spülen uns gegenseitig mit etwas Frischwasser aus dem Kanister ab, der warme leichte Wind sorgt für das Trocknen. In der Plicht fokussieren wir uns auf die Nacht und den Anderen, samtiges Wasser wird durch samtige Haut ersetzt, der salzige Geschmack der Ostsee weicht von der Zunge und dem Gaumen je mehr wir einander genießen. Mit wohliger Wärme im Bauch gehen wir danach unter Deck, die Kojen sind getrennt in Längsrichtung, im Vorschiff ist es uns zu schmal. Der Kuss zur Nacht ist zärtlich und zeitlos. Wir genießen den eigenen Geschmack auf der Zunge des Anderen und vermischen ihn in diesem Kuss bevor wir schlafen gehen. Die Nacht ist tief und traumlos.
Unter Deck ist nur wenig Platz, das Boot ist schon 23 Jahre alt, Baujahr 1950, ein 16.-Jollenkreuzer, der später zu einem Kielschwerter mit GFK Überzug umgebaut wurde. Wir sind mit dem Boot allmählich vertraut, haben es vor 4 Wochen für 1500 DM gekauft und sind darauf seit zwei Wochen von Hamburg kommend unterwegs. Sechs Wochen haben wir uns in den Semesterferien Zeit genommen um mit Muße in der dänischen Inselwelt umher zu segeln. Dem Boot mangelt es an vielem, was der Sicherheit und Bequemlichkeit dienlich wäre, aber mehr Geld haben wir eben nicht. Der gelbe Honda Außenborder ist auch schon zehn Jahre alt und bekommt regelmäßig asthmatische Anfälle wenn er Salzwasser riecht. Aber uns kümmert die Sicherheit auch nicht so sehr. Wir sind jung und sowieso unsterblich, nicht nur verliebt, sondern eben unzerstörbar! Wozu also eine Sicherheit kaufen, die doch als Selbstverständlichkeit natürlicher Bestandteil unseres Seins ist.
Am Vormittag war der Wind achterlich und lebhaft, 4-5 Beauforts bei fast glattem Wasser machten wir rauschende Fahrt, den Wind auf der Haut, die Sonne wärmt bis in die Tiefe, andere größere Yachten sind zu sehen, die Menschen darauf sehr unterschiedlich, einige ernsthaft seemännisch mit Schirmmütze und gestrenger Miene am Ruder, andere eher locker die Natur genießend, ein älteres Paar so um die 45 Jahre in inniger Umarmung in der Mittelplicht, nichts mitbekommend während die Selbststeueranlage ihre Halberg Rassy in 30 Metern Entfernung backbords neben uns vorbeirauschen lässt. In deren Fahrtrichtung ist sonst kein Hindernis zu sehen und so verhalten wir uns ruhig, stören dieses liebvolle Bild nicht und blicken den beiden noch mit Freude nach, bis der auf und ab wippende weiße, runde Hintern der Frau von der Achterkajüte verdeckt wird. Der Wind lässt nach und Jan klettert auf den Bugkorb, hält Ausschau nach Delphinen, die in diesen Gewässern häufiger anzutreffen sind.
Dass sich am Horizont eine breite und dunkle Wolkenbank mit einer schnurgeraden Abrisskante bildet, nehmen wir zunächst nicht wahr. Und jetzt querab Aebelö nimmt mein persönlicher Jan die Wolkenwand wahr; ich habe die Augen noch geschlossen und träume vor mich hin. Die Wolkenwand zieht schnell auf, schneller als wir es jemals zuvor gesehen haben, noch scheint die Sonne, der Himmel ist azurblau über funkelndem Wasser und wechselt abrupt zu einer schwarzen Wolkenwand über einer dunkelgrauen See. Wir beobachten die Halberg Rassy von vorhin, deren weiße Segel leuchten. Eine plötzliche Böe drückt sie auf das Wasser, dann verschwindet das Schiff hinter einer vom Himmel stürzenden Wasserwand. Jan eilt nach vorne, ich übernehme das Ruder, keine Zeit sich anzukleiden oder eine Sicherheitsleine zu takeln, er birgt so schnell es geht die Fock, schlägt die Stagreiter vom Vorstag ab, wirft das Segel durch das Luk in die Kajüte, der Wind dreht schon um fast 180 Grad, noch ist er schwach, wird böiger. Das Groß kommt von oben, ich wende derweil mit der Restfahrt die im Schiff ist, er bindet das Groß mit Zeisingen und zusätzlich mit der Schot fest, kommt vom Mast, übernimmt das Ruder, ich gehe unter Deck und verstaue loses Gut so schnell es geht. Und dann fällt der Wind über uns her. Innerhalb weniger Minuten von fast Flaute auf Sturmstärke, ein warmer, heftiger Wind der Gischt mit sich trägt, der die Haare flattern lässt, und das Schiff vor Top und Takel in Fahrt bringt. Donnergrollen und Blitze zunächst am Horizont, dann näher kommend. Es ist gerade noch Zeit das Steckschot in den Niedergang zu schieben und das Luk zu schließen, dann kommt der Regen, nicht als Wasser von oben, sondern warm, heftig, fliegend und vermischt mit der Gischt, waagerecht über das Wasser fegend. Die bis dahin ruhige See bildet rasch eine kleine, kurze, schnell laufende Welle, deren Kämme vom Sturm sofort abgerissen werden und sich mit dem Regen vermischen, die Sicht geht runter auf wenige Meter. Zuvor noch eine kurze Kompasspeilung, der Leeraum ist für viele Meilen frei, sofern wir nicht auf ein anderes Schiff treffen. Der Bug ist nicht mehr zu sehen. Fast blind zischt das Schiff direkt vor dem Wind über die See, der Übergang von Gischt zu Wasser ist nicht mehr erkennbar, wir fliegen in einer Zwischenwelt aus atemfähigen Wasser durch den Sturm, begleitet vom paukenartigen Donnern des Gewitters, dessen Blitze wir bei der geringen Sicht nur selten und dann als blendend diffuse Aufhellung des fliegenden Wassers sehen. Jan steht am Ruder mit dem Rücken nach Backbord, seine langen Haare stehen fast waagerecht vom Kopf ab, sein Gesicht leuchtet, die Lippen etwas geöffnet, die blauen Augen hellwach funkelnd. Aufmerksam in jeder Faser führt er das Ruder so als ob er im Voraus weiß wie die nächste Welle uns versetzen könnte. Seine Haut glänzt hellkupfern in den Blitzen auf, die sonnengebleichten Schamhaare schimmern hell, sein ansonsten glatter Körper ist gespannt, bereit sofort zu reagieren. Und das Schiff fliegt weiter, Jans Ruderbewegungen halten es immer selbstverständlicher auf dem Kurs den der Sturm diktiert. Die Intensität des Gewitters ist ansteckend, Freude, Begeisterung kommt auf, er sieht zu mir hin, wie ich breitbeinig vor ihm stehe, mich an der Schotwand festhalte. Ein Fender auf dem Kajütdach kommt lose, ich lege mich halb auf das Dach, bekomme den Fender zu fassen und belege ihn wieder. Das waagerecht fliegende warme Wasser, vermischt mit der Gischt klatscht mir auf den Po, fließt zwischen meine Arschbacken in einem schnellem Bach über meine Schamlippen, dann die Beine herunter, ich bin! ich bin!!, ich bin!!!!!. Ich spreize meine Beine noch ein weiter, hebe meinen Hintern noch etwas höher, lasse mich vom Gewittergott umtosen, öffne mich ihm, lasse mich auf ihn ein. Und dieser Gott vermischt sich im Sturm mit Jan, der weiter an der Pinne steht, dessen Schwanz waagerecht pulsierend aufwippt. Neptun treibt das Wasser um seinen Leib, der Sturm reißt lange Gischtfahnen von seinem Schwanz und Hoden, die direkt zu mir treiben und mich auf den Hintern und die Möse treffen. Ich drehe mich um, empfange Neptun, Thor und Jan von vorne, den rechten Fuß backbords, den linken steuerbords auf den Plichtbänken, den Rücken nach hinten gebogen. Der Wind treibt das Wasser, die Energie der drei Liebhaber über meinen Leib, zwischen den Brüsten zum Hals und den Bauch hinunter durch meine kurzen dichten Haare, unter denen meine Schamlippen die Flut in drei Flüsse trennen Flüsse, die sofort Namen bekommen: Thor, Jan, Neptun. Ich bin ein Dreistromland. Die Welt um mich herum wird unscharf, in mir ist Wirbel und Hitze, die Grenzen nach außen lösen sich auf, das Tosen des Windes ist nichts Äußeres mehr, ich bin Teil davon. Und dann lässt der Sturm tatsächlich nach, etwas von mir nimmt wieder Teil an der Welt, die Sicht nimmt wieder zu, Jan steht mit einem glücklichen Strahlen, so als hätte er mit mir erlebt, in gleicher Haltung am Ruder wie zuvor. Ich rutsche aus meiner Position herab, einen Schritt auf ihn zu, umfange seine festen Arschbacken mit beiden Armen und kaum, dass ich seinen Schwanz in mir aufnehme, füllen mich Thor, Jan und Neptun so an, als sei der ganze Sturm nur für mich geschehen. Der Wind ist verschwunden, halb sitzen, halb liegen wir auf der Plichtbank, die Sonne bricht wieder durch. Noch mögen wir nicht aufschauen, doch dann weitet sich der Horizont der Wahrnehmung, die See erscheint wie leer gefegt. Am westlichen Horizont ist Jütland zu sehen, Aebelö ist nicht mehr in Sicht, wir sind in den knapp 2 Stunden über 11 SM nach Lee abgelaufen. Im Nordosten sehen wir die Küste von Endelave. Nach Julesminde wäre es am kürzesten, aber Endelave ist schöner. Schäden oder Materialverluste haben wir keine, das Boot hat nur eine äußerliche Grundreinigung bekommen. Am späten Nachmittag ankern wir neben den Seehundsbänken, schauen den Tieren zu, die zu uns kommen, ich gleite zu ihnen ins Wasser und sie spielen tatsächlich mit mir. Vor Sonnenuntergang verholen wir uns in die flache Bucht vor dem Hafen von Endelave. Im etwas tieferen Wasser sehen wir die Halberg-Rassy wieder, ihre Genua ist gerissen und an der Masttop so verdreht, dass der Skipper im Bootsmannstuhl oben sitzend das Rollreff-Segel klarieren muss um das Tuch an Deck zu bekommen. Wir ankern auf 2 Meter Tiefe, ich gehe mit der Taucherbrille über Bord und kontrolliere den Sitz von unserem 10 Kg Plattenanker, den wir in Holtenau noch gebraucht erstanden hatten. Auf dem Weg zum Anker bekomme ich einen Lachanfall und muss prustend wieder auftauchen:
bei Gewittersturm von den Göttern gevögelt alle Gefahren zu vergessen und bei Flaute den Ankersitz (zur Sicherheit) kontrollieren! Aber irgendwie kommt mir dieser Widerspruch so stimmig vor wie es der ganze Tag gewesen ist. Der Anker sitzt gut, hat sich tief genug eingegraben, auf eine Ankerwache verzichten wir. Der Sonnenuntergang beendet gegen 22:00h mit einer langen farbenprächtigen Dämmerung den Tag.

